Warum Gleichstellung vor Ort stockt

11.05.2026

Ein Politikerwort zum Tag zur Gleichstellung von Menschen mit Beeinträchtigung

Vor ein paar Tagen, am 5. Mai, war der Europäische Tag zur Gleichstellung von Menschen mit Beeinträchtigung.

Als Sprecher der Arbeitsgruppe Beteiligung von Menschen mit Beeinträchtigungen möchte ich den Blick auf unsere Stadt richten. Bargteheide bemüht sich lobenswert um mehr Inklusion und doch zeigt der Alltag vieler Betroffener, wie weit Anspruch und Realität noch auseinanderliegen.
Unsere Arbeitsgruppe engagiert sich seit Jahren für konkrete Verbesserungen. Gemeinsam mit dem Ring Bargteheider Kaufleute wurde erreicht, dass Geschäfte ihre Toiletten zugänglich machen und Werbeschilder auf Gehwegen reduziert wurden. Wir begehen regelmäßig die Innenstadt, prüfen Zebrastreifen und Ampeln auf Sicherheit, Barrierefreiheit und Stolperfallen.
Doch die Defizite bleiben offensichtlich: Leitlinien und Aufmerksamkeitsfelder entsprechen in Bargteheide vielfach nicht mehr den geltenden Normen. Ampelanlagen sind uneinheitlich ausgestattet. Probleme, deren Lösung durch unterschiedliche Zuständigkeiten von Stadt, Kreis und Land zusätzlich erschwert wird.


Auch das Verhalten im Alltag stellt eine Hürde dar. Rücksichtslosigkeit gegenüber Menschen mit Beeinträchtigungen ist keine Ausnahme. Ein besonders drastischer Vorfall ereignete sich nahe der Eisenbahnbrücke am Tremsbütteler Weg. Dort wurde ein sehbehinderter Mann auf dem Gehweg angefahren und anschließend beleidigt. Auch die neue Inklusionsschaukel wurde wiederholt beschädigt. Und auch Radfahrer, die entgegen der Fahrtrichtung auf Gehwegen der Rathausstraße unterwegs sind, gefährden die Sicherheit zusätzlich.
Noch gravierender sind die Probleme im öffentlichen Nahverkehr. Nach dem Behindertengleichstellungsgesetz gelten Verkehrsmittel nur dann als barrierefrei, wenn sie grundsätzlich ohne fremde Hilfe nutzbar sind. Genau daran scheitern jedoch die aktuellen Planungen für den „Zukunftsbahnhof Bargteheide“. Der vorgesehene Einsatz mobiler Rampen, die vom Zugpersonal bedient werden müssen, widerspricht diesem Grundsatz und stellt keine echte Barrierefreiheit dar.
Eine praktikable, schnelle Alternativlösung wäre einen Halt für Regionalexpresszüge (RE) in Bargteheide mitzubauen. Der RE mit niveaugleichem Bahnsteig könnte einen barrierefreien Zustieg in Richtung Norden wie Süden ermöglichen – ohne zusätzliche Hilfe. Und obwohl so kurzfristig echte Teilhabe ermöglicht würde, plant die Bahn derzeit diesen Bahnsteig nicht mit.


Der jährliche Gedenktag am 05. Mai ist daher nicht nur ein symbolischer Gedenktag, sondern ein klarer Auftrag auch für Bargteheide. Gleichstellung beginnt im Alltag, auf Gehwegen, an Ampeln und Bahnsteigen. Und genau dort entscheidet sich, wie inklusiv eine Stadt wirklich ist.
Baldur Müggenburg
Mitglied der CDU Fraktion in der Bargteheider Stadtvertretung