Stadtbusverkehr auf dem Prüfstand:

28.09.2026

Was ist uns Mobilität wert?

Der öffentliche Nahverkehr in Bargteheide steht vor einer wichtigen Entscheidung. Die Finanzierung der drei Stadtbuslinien 8107, 8108 und 8109 wird derzeit neu betrachtet. Hintergrund sind Sparzwänge beim Kreis, der seine finanziellen Mittel für den ÖPNV reduzieren möchte. Damit steht die Frage im Raum, ob das bisherige Angebot in seiner jetzigen Form dauerhaft erhalten werden kann.
Dabei geht es nicht nur um Fahrpläne und Haushaltszahlen. Die drei Stadtbuslinien sind inzwischen ein wichtiger Bestandteil der Mobilität in Bargteheide. Seit Ende 2022 verbinden die elektrisch betriebenen Kleinbusse die Wohngebiete mit der Innenstadt und dem Bahnhof. Sie sind barrierefrei und fahren derzeit montags bis sonnabends, in den Hauptverkehrszeiten teilweise im Halbstundentakt.
Eine Möglichkeit, Kosten zu reduzieren, wäre eine Ausdünnung der Fahrzeiten. Noch weitreichender wäre der Verzicht auf den Stadtbusverkehr am Sonnabend. Auf den ersten Blick ließe sich damit Geld sparen. Für die Menschen in Bargteheide hätte eine solche Entscheidung allerdings unmittelbare Folgen: Wer am Sonnabend auf den Bus angewiesen ist, hätte deutlich weniger Möglichkeiten, zum Einkaufen, zum Bahnhof, zu Freizeitangeboten oder zu anderen Zielen innerhalb der Stadt zu gelangen. Gerade für Menschen mit Beeinträchtigungen, ältere Menschen, Jugendliche und Personen ohne eigenes Auto kann der Bus eine entscheidende Möglichkeit für die gesellschaftliche Teilhabe darstellen.
Die Stadt Bargteheide müsste deshalb genau prüfen, welche Einschränkungen sie unter den Gesichtspunkten von Mobilität und Inklusion akzeptieren kann. Dass einzelne Busse gelegentlich ohne oder mit wenigen Fahrgästen unterwegs sind, ist dabei kein ausreichendes Argument für einen Abbau des Angebots. Öffentlicher Nahverkehr kann nicht allein danach beurteilt werden, ob jeder einzelne Bus zu jeder Uhrzeit vollständig ausgelastet ist.
Vielmehr braucht es ein verlässliches Angebot, damit Menschen ihr Auto stehen lassen können und die Verkehrswende tatsächlich funktioniert. Ein Bus, der heute wenig genutzt wird, kann morgen für jemanden die Voraussetzung sein, auf ein eigenes Auto zu verzichten. Zudem hat der Kreis Stormarn bereits 2024 die Grundfinanzierung des Stundentaktes für weitere zwei Jahre sichergestellt und dabei die Bedeutung des Stadtbusnetzes für Pendler hervorgehoben.
Die Diskussion über die Zukunft der Linien 8107, 8108 und 8109 sollte deshalb nicht ausschließlich eine Frage kurzfristiger Einsparungen sein. Es geht auch darum, welchen Stellenwert eine moderne, barrierefreie und emissionsarme Mobilität in Bargteheide künftig haben soll. Für die Stadt steht damit eine grundsätzliche Frage im Raum: Wie viel verlässlichen ÖPNV können wir uns nicht nur kurz- sondern auch langfristig leisten, damit Bargteheide auch zukünftig die lebendige Stadt im Herzen Stormarns bleibt.

Torsten Frehe,

Mitglied der CDU-Fraktion in der Bargteheider Stadtvertretung