Die S4 – das Trojanische Pferd

10.04.2019

Wenn Sie gerne ein kurzes Politikerwort mögen, gehören Ihnendie folgenden sechs Sätze.

Durch Bargteheide rollt bald alle 10 Minuten ein Zug. Teilweise mit bis zu 850 Metern Länge und bestückt mit Gefahrgut. Auch der Transport von Atommüll wird von der DB nicht ausgeschlossen.
Noch ist kein Spatenstich erfolgt. Ein Ausstieg aus dem Staatsvertrag ist möglich. Blaue Kreuze sind das Symbol des Protestes.
Ab hier beginnt nun die detailliertere Fassung.
Ständige Ausfälle der Regionalbahn haben schon zu einer eigenen WhatsApp Gruppe geführt, deren Teilnehmer sich gegenseitig über Ausfälle oder Verspätungen informieren. Zum einen werden von der Bahn zumeist veraltete und störanfällige Loks eingesetzt, zum anderen nutzen Nah-, Regional- und Fernverkehrszüge dieselben Gleise und behindern sich so gegenseitig.
Die Freude ist da verständlich, wird doch mit der S4 eine Alternative versprochen, die, von Ahrensburg bis Hamburg auf zusätzlichen Gleisen, eine verlässliche Personenbeförderung bieten soll. Da wird dann auch in Kauf genommen, dass sich die Fahrtzeit um sechs Minuten verlängern wird.
Doch es kommt nicht nur die S4 – es wird auch eine massive Steigerung des Schienendurchgangsverkehrs im Zuge der Hinterlandanbindung zur Fehmarn-Belt Querung in Bargteheide geben. Während Dänemark einen 18 Kilometer langen Tunnel von Rödby nach Puttgarden bauen will, hat sich Deutschland in einem gemeinsamen Staatsvertrag verpflichtet, für die Hinterlandanbindung zu sorgen. Doch die geplanten Kosten schießen noch vor Baubeginn weit in die Höhe. Sollte der Tunnel 1999 noch 3,5 Mrd Euro kosten, wird nun bereits mit 7,5 Mrd. geplant – vor dem ersten Spatenstich. Gefördert mit EU Geldern und somit auch von Deutschland. Die Schätzung zur Schienenanbindung auf deutscher Seite ist von 744 Mio. (im Jahr 2002) auf derzeit 1,6 Mrd. Euro gestiegen. Dabei sind weder Kosten für einen Tunnel vom Festland nach Fehmarn, noch diverse Lärmschutzmaßnahmen berücksichtigt. Gerade erst liegt Bad Schwartau ein Angebot für eine sog. Troglösung vor, die wieder mindestens 50 Mio Euro kosten wird. Andere Gemeinden werden sicherlich aufmerksam und werden ähnliche Maßnahmen zum Lärmschutz fordern.
Gerade hat die Jamaika Koalition im Landtag beschlossen, an den bisherigen Planungen festzuhalten und keine Alternativstrecken (mehr) prüfen zu wollen. Für Bargteheide wurde geschätzt, dass, zugleich mit dem Ausbau der S4 der Güterverkehr von derzeit täglich 36 Zügen auf 111 Züge in 2025 zunimmt (lt Prognose DB Netze aus 2014). Mit einer Länge von bis zu 850 Metern rauschen Güterzüge Tag und Nacht in kurzen Abständen durch Bargteheide. Natürlich auch mit Gefahrgut bestückt. Hinzu kommt noch der vermehrte Fernverkehr von derzeit 16 auf 22 Züge, denn der Regionalexpress Hamburg Lübeck soll erhalten bleiben (Prognose DB ebda). Und den Nahverkehr gibt es dann durch die kürzere Taktung ebenfalls häufiger, geschätzt mit rd 170 Zügen.
In Ostholstein hatten sich die Kommunen frühzeitig erfolgreich für eine Streckenführung entlang der A1 eingesetzt. In Stormarn ist der Protest bisher verhalten. Klar, Bargteheide hat seit 1865 mit der Direktverbindung Hamburg Lübeck einen Bahnhof und kaum ein Einwohner wird überrascht sein, dass hier auch Bahngeräusche zu hören sind. Doch auf die Menge der Züge kommt es an! Durch den zusätzlichen Verkehr ist die Gesundheit der Menschen gefährdet.
Die Planung der Trasse soll im Vergleich zur jetzigen Strecke über den Öresund eine Ersparnis von 130 Kilometern bringen. Ich denke aber, einem Container ist es egal, ob er diese Strecke länger unterwegs ist. Zur Erreichung der Klimaziele ist eine Verlagerung von Gütern auf die Schiene nur zu begrüßen. Doch ein zukunftsweisendes Projekt, dass von Schweden bis nach Süditalien reicht (sog. TEN), kann sich dann doch nicht nur an wirtschaftlichen Interessen orientieren. Andere Großprojekte zeigen, dass es nicht zielführend ist, sich über die Bedürfnisse der Menschen aber auch der Natur hinwegzusetzen.
Die Menschen in Bargteheide wünschen sich sicherlich eine zuverlässige Bahnanbindung nach Hamburg und Lübeck. Doch wird die S4 durch die Koppelung mit TEN zum Trojanischen Pferd, mit der wir uns eine massive Einschränkung unserer Lebensqualität nach Bargteheide holen.
Auch wenn der Landtag abgestimmt hat – der Protest zu einer Entscheidung gegen die Interessen der hier lebenden Bevölkerung endet nicht. Die CDU Bargteheide wird noch vor den Sommerferien zu einer Informationsveranstaltung einladen. Wer schon jetzt seinen Protest zeigen will, klebt ein blaues Kreuz an sein Fahrzeug oder stellt ein Kreuz im Garten auf. Gerne stehe ich Ihnen für einen weiteren Austausch über die Homepage der CDU Bargteheide zur Verfügung.
Ihr Sven Meding
Stadtvertreter und Mitglied der CDU Fraktion Bargteheide