Bargteheide. Es ist eine Baustelle der Superlative. Eine der größten in Stormarn. Wenn das neue Aldi-Logistikzentrum im erweiterten Bargteheider Gewerbegebiet Langenhorst steht, werden 6000 Kubikmeter Beton und 600 Tonnen Eisen verarbeitet sein. Wer auf dem 100 000 Quadratmeter großen Grundstück keinen Laster hat, um Material oder Werkzeug heranzuschaffen, ist verloren. Rund eine Viertelstunde dauert es allein, das Kernstück zu umrunden: das Gelände für die riesige Halle. Von dem Zentrallager aus werden künftig 54 Filialen in den Kreisen Stormarn, Herzogtum Lauenburg, Segeberg und auch im Nordosten von Hamburg beliefert.
"Wenn wir losziehen, sind wir schon mal zwei Stunden unterwegs, um die Baustelle abzulaufen. Dann kommen alle mit ihren Fragen. Viele Arbeitsgänge laufen parallel, aber das ist das Spannende an so einer Großbaustelle. Jeder Tag ist anders", sagt Schachtmeister Dirk Möller, der mit Polier Klemens Grimm von der Kieler Firma Heinrich Karstens den Rohbau leitet.
Der 25 Meter hohe Kran wird vom Boden aus gesteuert
32 Mann haben Möller und Grimm im Einsatz. Die Handwerker sind bisher gut vorangekommen. Am 9. Juni war der erste Spatenstich. Nun sind schon 350 Tonnen Eisen eingebaut, 2000 Kubikmeter Beton in den Fundamenten, Wandverschalungen und Frostschürzen verschwunden. Neben der Lagerhalle entstehen ein Kühlraum, eine Reparaturhalle, ein Sozial- und ein Techniktrakt sowie ein Bürogebäude.
Im Oktober 2011, also nach 16 Monaten Bauzeit, soll das neue Logistikzentrum in Betrieb gehen. Ob das klappt, hängt auch vom Wetter ab. "Wir sind gut im Plan", sagt der Polier. Im Januar oder Februar müsste der Rohbau fertig sein. Die Betonmischer laufen auf Hochtouren. "Da passen ja immer nur 7,5 Tonnen rein", sagt Fahrer Olaf Knie und zeigt auf die Mischtrommel hinter sich.
Er legt den ersten Gang ein und braust mit einer Staubwolke an Kranführer Fadil Krasnici vorbei. Der hält den Steuerungskasten für den 25 Meter hohen Kran wie einen kleinen Bauchladen vor sich und bringt vom Boden aus die am Haken hängenden Verschalungselemente für die Wände des Bürogebäudes in Position.
Jetzt muss Beton her, um die Zwischenräume füllen zu können. "Das wird schon", sagt Fadil Krasnici und legt sein schönstes Lächeln auf, als Polier Grimm vorbeikommt. Der "Chef" ist gern gesehen. Man versteht sich. Der Kranführer kommt aus Albanien, seine Kollegen, die Einschaler Muratovic Muzafer und Muratovic Spaho, aus Serbien und Mirko Nakic aus Kroatien. Konflikte zwischen ihren Völkern spielen auf der Bargteheider Baustelle keine Rolle. "Wir arbeiten alle zusammen", sagt Kranführer Krasnici.
Auf der anderen Seite des Geländes arbeitet Aron Waldu. Sein dunkles Gesicht leuchtet unter dem weißen Helm. Woher er kommt? "Aus Lübeck", sagt der Betonbauer und grinst. "Meine Familie stammt aus Eritrea, ich bin in Deutschland aufgewachsen", sagt der junge Mann und springt nach oben zu den Flechtern. Die sind gerade dabei, Drahtmatten in die Schalung für die Überladebrücken zu stecken: die sogenannte Bewährung.
Abends kehren die Arbeiter aufs Firmengelände nach Kiel zurück
Zig Laderampen entstehen, auf denen Lastwagen an die Halle heranfahren und Gabelstapler die Ladung direkt in die Lagerhalle bringen können. Damit die Betonrampen die Traglast halten, versenken die Flechter bergeweise Drahtmatten, über die später der Beton gegossen wird.
Für heute ist es allerdings erst einmal genug. Die Arbeiter treffen sich zum Abschluss des Tages im Gemeinschaftscontainer. Facharbeiter Stephan Lenschau, den alle nur "Oma" nennen, holt sich einen Apfel aus der Tasche und entspannt zusammen mit Stahlbetonbauer Dennis Salten, bevor es nach Hause geht. Auch für den Polier und den Schachtmeister ist jetzt Feierabend. "Wir fahren noch die Leute rum, aufs Firmengelände in Kiel", sagt Dirk Möller. Spätestens um 21.30 Uhr ist für den Schachtmeister dann Nachtruhe angesagt, denn um kurz nach drei klingelt wieder sein Wecker. "Morgenstund' hat Gold im Mund", sagt der 42-Jährige. Er nimmt das mit Humor.
Und was sagen die Ehefrauen zum frühen Aufstehen? "Gar nichts", meint Polier Klemens Grimm, "meine schläft um diese Zeit noch."